Europameister und Deutscher Vizemeister 2010 Eliteklasse XL: Pascal Leismann
Deutscher Meister 2010 Eliteklasse: Martin Tenambergen
Deutscher Vizemeister 2010 Seniorklasse: Dominik Leismann
Platz 3 DM 2010: Robin Neuhaus Juniorklasse; Jannik Gößling Seniorklasse
Mitte der 50iger Jahre machten einige Vehikel die Straßen von Mettingen unsicher. Seifenkisten im wahrsten Sinne des Wortes, eine Kreuzung zwischen Apfelsinenkisten, Kinderwagen, Schubkarren und rollenden Badewannen. Lenkung und Bremse waren noch unbekannt. Man benutzte die sogenannte „Latschenbremse“, indem zum Bremsen ein Schuh aus der Kiste gehalten wurde und über den Asphalt schleifte. Da wurde so mancher Schuh zum Leidwesen der Eltern arg strapaziert und musste häufig besohlt werden.
Über die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen des eigenen Pfadfinderstammes hinaus, suchten die Leiter der Mettinger Pfadfinder nach einer Idee, wie sie für alle Jungen der Gemeinde etwas tun könnten.
Mehr durch einen Zufall, so der damalige Stammesführer Erhard Decking, nahm sein Onkel einige von ihnen mit zum Osnabrücker „ADAC Seifenkistenrennen“. „Das können wir auch“, war die einhellige Meinung und so veranstalteten die Mettinger Pfadfinder 1956/1957 erste Rennen „Am Bucholz“. Es gab nur ganz wenige Teilnehmer, die Kisten mussten schließlich ganz alleine gebaut sein. Technik und Sicherheit waren nach heutigen Vorstellungen noch sehr einfach, doch durch die Eigenkonstruktionen waren es unheimlich spannende Rennen.
Teilnehmer und Betreuer der ersten Rennen kommen ins Schwärmen, wenn sie von den abenteuerlichen Bedingungen dieser Renntage berichten. Kisten die so schwerfällig waren, dass sie angeschoben werden mussten und trotzdem nicht bis ins Ziel kamen und andere, die gar nicht mehr zu bremsen waren. So fuhr Franz Focke durch die Absperrungen und überquerte die Alte Bockradener Straße bis in die Wiese. „Wir hielten alle den Atem an und waren heilfroh, dass ihm nichts passiert war“, berichtet Erhard Decking.
Das große Zuschauerinteresse war ein Grund mit, dass 1959 das Mettinger Seifenkisten-
rennen an der Schwarzen Straße über die Rampe lief. Der Sieger Josef Böggemann (jetzt in der Lehrerausbildung in Paderborn tätig) durfte als erster die rot-weißen Farben von Mettingen bei der Bundesmeisterschaft in Duisburg vertreten. Unter 118 Teilnehmern kam er auf den sagenhaft guten 22. Platz. In den folgenden Jahren stieg die Teilnehmerzahl und die Zuschauer kamen reichlich. In Eigenarbeit fertigte man Bandenwerbung, um so den Reinerlös zu steigern, der in allen Jahren einem wohltätigen Zweck zur Verfügung gestellt wurde.
Zwar waren die Mettinger Pfadfinder stets die Veranstalter der Rennen, ohne die Unterstützung durch Firmen, Verbände und Privatpersonen konnte aber kein Rennen laufen.
Einen besonders großen Erfolg hatten die Mettinger 1967. Beim örtlichen Rennen war Josef Tenambergen, heute Vorsitzender des Jugendclubs Mettinger Seifenkisten
Derby e. V., Zweiter geworden. Drei Wochen später belegte er bei der Bundesmeisterschaft in Duisburg den 3. Platz und nahm damit an der Deutschlandrundfahrt der Adam Opel AG teil.
Dann kam das Jahr 1971 und die Adam Opel AG kündigte die Schirmherrschaft über das Derby, dass sie bis dahin mit ca. 500 000 DM jährlich unterstützt hatte. Für viele Jungen und Veranstalter der ganzen Bundesrepublik brach eine Welt zusammen.
Wie sollte es weitergehen? Tiefe Resignation machte sich breit. Da kamen die Mettinger Pfadfinder Hubert und Johannes Focke, Heiner Hagedorn und Hermann Kuhlmann auf die Idee, die Bundesmeisterschaft 1972 in Mettingen auszutragen – eine Wahnsinnidee, wie die meisten meinten. Nach anfänglichen Plänen, das Rennen von der Brücke am Kanal, an der Neuenkirchener Straße, zu starten, wurde kurzfristig die Straße „Zum Wittenbrink“ zur neuen Rennstrecke.
Das Ergebnis ist bekannt. Der kleine Ort Mettingen, den die meisten Veranstalter erst einmal auf der Landkarte suchen mussten, wurde Austragungsort der ersten Bundesmeisterschaft ohne Schirmherrschaft von Opel.
Die übrigen örtlichen Veranstalter waren begeistert. Sogar vom Starnberger See kamen Teilnehmer zum Rennen in den „hohen Norden“. Zwar war das Rennen nicht so pompös wie die Jahre zuvor, auch wurde die Teilnehmerzahl auf 80 begrenzt, aber alle fühlten sich zu einer großen Seifenkistenfamilie gehörig. Der Erfolg war Ansporn genug, auch 1973 erneut die Bundesmeisterschaft in Mettingen auszutragen. Zu diesen 25. Bundes-eisterschaften sorgten die Verantwortlichen auch gleichzeitig für ein Novum: Erstmalig waren Mädchen zum Start zugelassen! Und die Idee entstand, den Verein Deutsches Seifenkisten Derby e. V. zu gründen.
Danach wurde es leider ruhig – bis 1984. Da haben insbesondere Josef Wiese jun. und Klaus Decking die Idee wieder aufgegriffen und das Seifenkistenrennen nahm in Mettingen seinen gewohnten Platz ein.
Erfolgreiche Jahre und der unermüdliche Einsatz der Mettinger Pfadfinder unter der Leitung von Rainer Kleinsorge führten dazu, dass 1988 die Vergabe der Bundesmeisterschaft eindeutig auf Mettingen fiel, obwohl auch München sich beworben hatte, die gar keine Erfahrung mit Seifenkistenrennen hatten. „Eine Meisterschaft kann man nicht aus dem Hut zaubern, das Herz entscheidet für die Kinder“ war der Kommentar in den Medien. Wieder war es eine Meisterschaft, die für Mettingen geworben hat. Viele Freundschaften zwischen Familien aus Mettingen und den Gästen aus ganz Deutschland wurden geschlossen und bestehen zum Teil heute noch.
In den folgenden Jahren wurde Mettingen und die Rennstrecke am Wittenbrink in ganz Deutschland beliebt. Bis zu 100 Teilnehmer an den Mettinger Renntagen waren keine Seltenheit; dies war nur mit einem großen Engagement aller Beteiligten möglich.
Die Arbeit beherrschte u. a. in starkem Maße die Aktivitäten der 14- bis16-jährigen Pfadfinder. Die Mettinger DPSG diskutierte, wie sie aus der Seifenkistenarbeit aussteigen könnte. Am 19. Februar 1994 wurde der Jugendclub Mettinger Seifenkisten Derby e. V. mit der Beteiligung vieler Pfadfinder gegründet. Dieser neue Verein hatte sich zum Ziel gesetzt, die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen und weitere Familien für den Seifenkistensport zu begeistern.
Für die Austragung der 51. Deutschen Meisterschaft und der 2. Europameisterschaft 1999 wurde Mettingen erneut gewählt. Der Jugendclub und viele Helfer anderer Vereine, Sponsoren und die Gemeinde Mettingen haben zusammengestanden und ein großes Fest des Seifenkistensports organisiert. Bei herrlichem Wetter und einem reibungslosen Ablauf der Rennen waren die Gäste aus ganz Deutschland zufrieden.
Mit dem Ortsderby 2001 kehrten die Seifenkisten an die Schwarze Straße zurück.
Auf der ca. 400 Meter langen Rennstrecke trafen sich in den vergangenen Jahren die besten Seifenkistenfahrer Deutschlands und Europas. Die 55. Deutsche Meisterschaft und die 6. Europameisterschaft 2003 nahmen einen guten Verlauf. Das freundschaftliche Miteinander aller Seifenkistenfreunde bei diesem großartigen Fest in Mettingen bleibt in guter Erinnerung.
So wünschen wir der Meisterschaft 2007 in Mettingen an der Schwarzen Straße gutes Wetter, reibungslosen Ablauf und viele zufriedene Gäste.